Nach Brandkatastrophe von Crans-Montana: BSV 2026 auf Eis gelegt

Nach der tödlichen Brandkatastrophe von Crans-Montana stoppen die Kantone die geplante Revision der Brandschutzvorschriften.

Foto: Depositphotos/chones

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana mit 40 Todesopfern und über 100 Verletzten haben die Kantone die geplante Revision der Schweizer Brandschutzvorschriften vorerst auf Eis gelegt. Dies berichtet die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

Die BSV 2026, die im Frühjahr 2027 in Kraft treten sollten, hätten den Brandschutz zum Teil vereinfachen sollen.

Kern der Revision war das Prinzip «weniger Kontrolle, mehr Eigenverantwortung». Vorgesehen waren unter anderem längere zulässige Fluchtwege von bis zu 100 Metern (statt bisher 50), Erleichterungen bei Brandmeldeanlagen sowie eine Reduktion von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen. Kritiker warnten bereits im Vorfeld davor, dass der Abbau behördlicher Kontrollen die Sicherheit gefährden könnte.

Wie die NZZ berichtet, hat der politische Druck nach dem Unglück im Wallis nun zu einem Kurswechsel geführt. «Wir legen bei den Brandschutzvorschriften 2026 einen Marschhalt ein», wird Rolf Meier, Bereichsleiter Kommunikation der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen, in der NZZ zitiert. Ein neuer Zeitplan werde derzeit erarbeitet.

Besonders brisant: Die geplanten Anpassungen betreffen zentrale Fragen der Personensicherheit. Brandschutzexperten befürchteten, dass eine stärkere Verlagerung der Verantwortung auf Bauherrschaften und Betreiber Sicherheitsstandards untergraben könnte.

Der Schweizerische Verband für Brandschutz- und Sicherheitsfachleute hatte sich laut NZZ bereits vor dem Unglück kritisch zu den Lockerungen geäussert.

Der Fall Crans-Montana wirft zudem ein Schlaglicht auf eine besorgniserregende Entwicklung: Die Zahl der Brandtoten in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Laut Angaben der kantonalen Gebäudeversicherungen nahm sie von 17 Todesopfern in den Jahren 2020 und 2021 auf 33 im Jahr 2024 zu. Die Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.

Unabhängig von der sistierten Revision laufen derzeit strafrechtliche Untersuchungen zur Frage, ob die bestehenden Brandschutzvorschriften in der betroffenen Bar eingehalten wurden und ob die Kontrollen ausreichend waren. Der Fall dürfte die Debatte über Regulierung, Vollzug und Verantwortung im Brandschutz langfristig prägen.

Quelle: NZZ

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