Nicht übertragbare Krankheiten verursachen Gesundheitskosten von 65,7 Milliarden Franken pro Jahr
Gemäss einer Kostenstudie für das Jahr 2022 entfallen rund 72 % der gesamten Gesundheitskosten auf nicht-übertragbare Erkrankungen (NCD) – das entspricht 65,7 Milliarden Franken. Insgesamt belaufen sich die Gesundheitskosten in der Schweiz auf 91,5 Milliarden Franken. Davon verursachen somatische, also körperlich bedingte Leiden, wie neurologische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebs mit rund 90 % den grössten Teil. Auf psychische Erkrankungen entfallen gegen 10 %. Angesichts der hohen Krankheitslast und der Kosten setzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weiterhin auf Massnahmen zur Kostendämpfung sowie auf Gesundheitsförderung und Prävention.

In den letzten zehn Jahren sind die Gesundheitskosten insgesamt um 37 % angestiegen: Von 66,6 Milliarden Franken im Jahr 2012 auf 91,5 Milliarden im Jahr 2022. Gemäss der neuen Studie machen NCDs mit 65,7 Milliarden Franken 72 % der Gesundheitskosten aus. Im Einzelfall sind die Behandlungskosten in diesem Zeitraum um 48 % gestiegen. Dies liegt zum Beispiel an den pflegeintensiven Behandlungen oder an den höheren Ausgaben für ambulante Leistungen.
Innerhalb der NCDs verursachten neurologische Erkrankungen mit 10,8 % der Gesamtkosten die höchsten Ausgaben, insbesondere Demenz. Es folgen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (10,4 %) wie Hypertonie oder Schlaganfall, psychische Erkrankungen (10,4 %) wie Depressionen, Erkrankungen des Bewegungsapparats (10 %) wie Rückenschmerzen sowie Krebserkrankungen (6,9 %).
Produktionsverluste und Gesundheitskosten von NCDs belaufen sich auf 109 Milliarden
Nicht übertragbare Krankheiten belasten nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Wirtschaft. Zählt man zu den Gesundheitskosten durch NCDs die Produktionsverluste dazu – z.B. durch krankheitsbedingte Arbeitsausfälle und verlorene Lebensjahre von Erkrankten –, so belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 109 Milliarden Franken jährlich. Dies entspricht etwa 14 % des Bruttoinlandprodukts.
Einen grossen Teil dieser Produktionsverluste verursachen Erkrankungen des Bewegungsapparates (17,1 %), psychische Erkrankungen (16,9 %) sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (7,3 %). Deren Vorbeugung durch Gesundheitsförderung und Prävention ist somit besonders wichtig.
Folgekosten von Bewegungsmangel und Übergewicht im Milliardenbereich
Einen grossen Einfluss auf die Entstehung von NCDs haben Schutz- und Risikofaktoren. Tabak- und Alkoholkonsum sowie unausgewogene Ernährung gehören zu den relevanten Risikofaktoren von NCDs, Bewegung ist ein wesentlicher Schutzfaktor. Die Studie erweitert die bisherige Datengrundlage, indem sie die Folgekrankheiten und Gesundheitskosten von Bewegungsmangel sowie von Übergewicht und Adipositas berechnet. Diese Risikofaktoren haben einen Einfluss auf fast alle NCDs. So verursachten Bewegungsmangel, Übergewicht und Adipositas im Jahr 2022 Folgekrankheiten, die sich mit rund 5,4 Milliarden Franken auf die Gesundheitskosten auswirkten. Demenz, Depression und Osteoporose machten den grössten Anteil an den Gesundheitskosten aufgrund von Bewegungsmangel aus. Bei Übergewicht und Adipositas sind die teuersten Folgekrankheiten Diabetes Typ 2, Hypertonie und Arthrose.
Gesundheitsförderung und Prävention mit Fokus auf prioritäre Handlungsfelder
Die Studie bestärkt das BAG darin, dass der heutige Fokus in der Gesundheitsförderung und Prävention richtig ist. Die NCD-Strategie 2017–2028 konzentriert sich aktuell auf die Themen Tabak/Nikotin, psychische Gesundheit sowie Übergewicht und Adipositas – drei Schwerpunkte mit grösstem Handlungsbedarf. Sie geht davon aus, dass wirksame Prävention am besten im Zusammenspiel zwischen individueller Gesundheitskompetenz und einem gesundheitsfördernden Umfeld wirkt. Die Ergebnisse der Kostenstudie liefern zudem wichtige Hinweise für die Prioritätensetzung der Nachfolgestrategie ab 2029.
Neben seinem Engagement für Gesundheitsförderung und Prävention setzt sich das BAG seit Jahren im Bereich der Krankenversicherung für die Kostendämpfung im Gesundheitswesen ein, zum Beispiel durch die Prüfung von bisherigen und neu aufgenommenen Leistungen, den regelmässigen Überprüfungen der Medikamentenpreise und der Kontrolle neuer Tarifstrukturen.
Über die Studie
Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, die Universität Luzern und die Berner Fachhochschule beauftragt, die Kosten der NCDs und deren Risikofaktoren zu berechnen. Die Studie «Kosten der übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten sowie Kosten der Risikofaktoren Übergewicht/Adipositas und Bewegungsmangel in der Schweiz» berechnet die monetären Kosten in der Schweiz in den Jahren 2012, 2017 und 2022.
Eine erste Kostenstudie wurde im Jahr 2014 mit Zahlen aus dem Jahr 2011 durchgeführt. Geplant war eine Neuauflage der damaligen Studie. Die aktuelle Studie wurde weiterentwickelt, enthält neue Datenquellen und berücksichtigt eine neue Methodik. Die monetären Kosten umfassen die Gesundheitskosten (direkte medizinische Kosten) und die Produktionsverluste (indirekte Kosten) durch die verlorene Arbeitsfähigkeit der Erkrankten. Die neue Studie erlaubt eine Betrachtung im Zeitverlauf.


