Wenn «gut schwimmen können» nicht mehr ausreicht

Jedes Jahr ertrinken in der Schweiz beim Baden und Schwimmen in Seen und Flüssen durchschnittlich 28 Menschen – 93 Prozent davon in offenen Gewässern. Auch geübte Schwimmerinnen und Schwimmer sind unter den Opfern. Mindestens 29 Prozent der Todesopfer waren allein unterwegs

Foto: depositphotos/Wirestock

Trotz der alarmierenden Zahlen geht fast die Hälfte aller Badenden ohne Auftriebsmittel ins Wasser. Die BFU lanciert deshalb zur Badesaison 2026 die Kampagne «Nie ohne meine Boje».

Wenn «gut schwimmen können» nicht mehr ausreicht

Wellen, Strömungen, wechselnde Temperaturen: Die Bedingungen in offenen Gewässern können sich rasch verändern. Eine unerwartete Strömung, kaltes Wasser, ein plötzlicher Wetterumschwung oder Hindernisse im Wasser können schnell zur Gefahr werden. Dazu kommt, dass Schwimmende ihre eigenen Kräfte manchmal überschätzen. Auch Alkohol oder andere Substanzen erhöhen das Risiko erheblich. Ein Krampf, Erschöpfung oder ein gesundheitliches Problem – und aus einem unbeschwerten Badetag wird innert Sekunden eine lebensbedrohliche Situation.

Ältere Personen schwimmen häufiger allein – und seltener mit Boje

Die BFU-Bevölkerungsbefragung 2025 zeigt ein klares Muster: 32 Prozent der über 64-Jährigen gehen häufig oder immer allein in offenen Gewässern schwimmen – bei den 20- bis 64-Jährigen sind es 18 Prozent. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, im Fluss eine Schwimmboje oder einen Schwimmsack mitzuführen, in der älteren Altersgruppe deutlich geringer: Nur 44 Prozent der über 64-Jährigen führen gerne eine Auftriebshilfe mit – gegenüber 63 Prozent bei den Jüngeren. Allein und ohne Auftriebsmittel zu schwimmen, erhöht das Risiko erheblich: Treten gesundheitliche Probleme oder Erschöpfung auf, fehlt oft schnelle Hilfe.

25 Menschen ertrinken jedes Jahr in Schweizer Seen und Flüssen.

29 % der Todesopfer waren alleine unterwegs – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Die Hürde liegt nicht im Aufwand, sondern in der Gewohnheit

Über 80 Prozent jener Personen, die bereits eine Schwimmboje oder einen Schwimmsack genutzt haben, beurteilen es als gut oder sehr gut machbar, diese beim Flussschwimmen immer dabeizuhaben – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Sprachregion. Das Mitführen einer Schwimmboje ist mit dem Anlegen des Sicherheitsgurts im Auto vergleichbar: Man trägt ihn nicht, weil man schlecht fährt, sondern weil Unfälle jeden ganz unerwartet treffen können. Was einmal zur Routine wird, kostet keine Überwindung mehr.

Was eine gute Schwimmboje ausmacht

Die BFU empfiehlt Modelle mit separaten, aufblasbaren Luftkammern. Leuchtende Farben erhöhen die Sichtbarkeit – für andere Personen im Wasser, für Boote und für Rettungskräfte. Ein Hüftgurt erleichtert das Mitführen. Wer im Fluss unterwegs ist, sollte zudem auf eine Solltrennstelle achten: Die Boje löst sich automatisch, wenn sie hängen bleibt. Alternativ kann die Boje auch einfach festgehalten und nicht am Körper befestigt werden.

Kostenlos ausleihen an Flüssen und Seen

An zahlreichen Fluss- und Seebädern in der Schweiz können Schwimmbojen kostenlos ausgeliehen werden. Einfach mitnehmen, das Bad geniessen und danach zurückhängen. Auch an den zehn Seeüberquerungen der Lake Crossing Trophy stehen Bojen zur Verfügung.

Quelle: bfu

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