Bevölkerungsschutz: Pandemie und Strommangellage sind die grössten Risiken

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) hat die vierte nationale «Risikoanalyse Katastrophen und Notlagen Schweiz (KNS) abgeschlossen. Als grösste Risiken werden Pandemien und Strommangellagen identifiziert, während ein bewaffneter Konflikt das gravierendste Schadensszenario darstellt. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes und sind Teil der umfassenden Sicherheitspolitik der Schweiz.

Strommangel gilt als grosses Risiko für die Schweiz (depositphotos/oiramm)

Die nationale Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» (KNS) 2025 identifiziert eine langandauernde Strommangellage und eine Pandemie als die zwei grössten Risiken für die Schweiz. Beide Szenarien weisen ein hohes Schadenspotenzial und haben gleichzeitig eine relativ hohe Eintrittswahrscheinlichkeit.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Pandemie wird im Vergleich zur Analyse von 2020 höher eingeschätzt. Gründe dafür sind insbesondere die fortschreitende Globalisierung, der verstärkte Mensch-Tier-Kontakt sowie Risiken, die durch den Klimawandel entstehen. Auch das Schadensausmass wird höher bewertet, da im aktuellen Szenario von einem neuartigen, unbekannten Erreger ausgegangen wird. Dadurch würde die Entwicklung eines Impfstoffs länger dauern, und Mutationen wären wahrscheinlicher.

Im Szenario Strommangellage wurde das Schadensausmass hingegen tiefer eingeschätzt. Dank neuer Kontingentierungsmassnahmen konnte das Risiko unkontrollierter Stromausfälle und zyklischer Netzabschaltungen reduziert werden.

Die Gefährdung mit dem grössten Schadensausmass bleibt der bewaffnete Konflikt. Er würde eine hohe Anzahl an Todesopfern, erhebliche wirtschaftliche Einbussen sowie umfangreiche Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen verursachen. Zudem ist er die einzige untersuchte Gefährdung, die eine Beeinträchtigung der territorialen Integrität der Schweiz mit sich bringen könnte. Besonders gravierend wären die zu erwartenden Versorgungsunterbrüche bei zahlreichen Gütern und Dienstleistungen.

Gestützt auf Artikel 8 des Bundesgesetzes über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz (BZG) veröffentlichte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) im Frühjahr 2013 erstmals eine umfassende nationale Risikoanalyse mit zwölf Gefährdungen im Bereich Katastrophen und Notlagen. Die letzte Analyse erschien 2020.

Mit KNS stellt das BABS ein strategisches Instrument zur Verfügung, das eine umfassende Sicht auf die aktuelle Risikolandschaft ermöglicht. Die Analyse ordnet die Risiken systematisch ein, bewertet ihre möglichen Auswirkungen und schafft damit eine verlässliche Grundlage für Planung, Prävention und Vorsorge auf allen staatlichen Ebenen.

Die wichtigsten Eckdaten zur nationalen Risikoanalyse 2025

An der Erarbeitung, Validierung und Bewertung der Szenarien wirkten unter der Leitung des BABS 265 Fachleute mit. Sie stammen aus Bundesstellen, Kantonen und Gemeinden sowie aus Wirtschaft – insbesondere von Betreibern kritischer Infrastrukturen – und Wissenschaft.

Insgesamt wurden 44 bevölkerungsschutzrelevante Gefährdungen systematisch hinsichtlich ihres möglichen Schadensausmasses und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit untersucht, um das jeweilige Risiko zu bestimmen. Die Bandbreite reicht von Naturgefahren wie Erdbeben über technische Gefährdungen wie einen KKW-Unfall bis hin zu gesellschaftlichen Gefährdungen wie einem bewaffneten Konflikt.

Durch den Einbezug zahlreicher Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen sind die Ergebnisse breit abgestützt. Zudem erfolgte ein Abgleich mit der sicherheitspolitischen Strategie der Schweiz.

Arbeitsinstrument für Politik, Bund und Kantone

Die nationale Risikoanalyse wird alle fünf Jahre durch das BABS aktualisiert. Sie bildet eine zentrale Grundlage für die systematische Planung von Massnahmen zur Vorbereitung auf Katastrophen und Notlagen.

Ein gemeinsames Risikoverständnis über Verwaltungs- und Fachbereiche hinweg erleichtert die Koordination zwischen strategischer Planung, operativer Vorbereitung und politischer Entscheidfindung. KNS 2025 unterstützt die Partnerorganisationen dabei, Risiken zu priorisieren, Vorsorgemassnahmen gezielt auszurichten und Verbundübungen zu planen.

Kantone und Gemeinden erhalten eine Orientierung für ihre eigenen Gefährdungsanalysen und Massnahmenplanungen. Einsatzorganisationen nutzen die Ergebnisse für Ausbildung und Vorbereitung, Betreiber kritischer Infrastrukturen zur Stärkung ihrer Resilienz gegenüber unterschiedlichen Risiken.

Unterlagen verfügbar

Begleitend zum Risikobericht «Bericht zur nationalen Risikoanalyse – Katastrophen und Notlagen Schweiz 2025» sind eine Risikobroschüre, ein Methodenbericht, eine Sammlung aller 44 Gefährdungsdossiers sowie erstmals interaktive Risikomatrizen auf der Website des BABS (www.risk-ch.ch) publiziert. Der Risikobericht, die Risikobroschüre und der Methodenbericht sind zudem in gedruckter Form beim BABS erhältlich.

Quelle: BABS

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